Schöne und schlimme Gründe für mein Schweigen
Das waren jetzt gleich ein paar Jahre, die mein Blog Pause gemacht hat. Die Gründe dafür waren viele verschiedene: persönliche, politische, pandemische – und ein sehr erfreulicher.
Zur Pandemie fiel mir nach meinem ersten Post nichts Mitteilenswertes mehr ein. Die Einsicht, dass hier mein Wissen und mein Erfahrungshorizont logischerweise beschränkt sind, ließ mich innehalten.
Noch schlimmer dann der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Krieg in Europa war für mich längst nicht mehr denkbar. Umso schockierender, um so Atem und Enthusiasmus raubender diese „neue“ Erfahrung. Als Sohn eines aus dem Krieg schwer traumatisierten heimgekehrten Vaters konnte ich kaum wahrhaben, dass das jetzt in Europa schon wieder passiert. Das ließ mich schockiert verstummen.
Und dann die persönlichen Gründe: Ich hatte nicht nur keine Lust auf Schreiben (siehe oben), sondern auch kaum mehr Zeit dazu. Denn zusammen mit meiner Frau Heidi haben wir uns entschlossen uns unseren Alterssitz in München – nicht zu suchen – sondern selbst zu bauen. Zusammen mit 34 anderen Mutigen sind wir einer Baugemeinschaft beigetreten, um gemeinsam ein Haus in Alt-Riem in München gebaut.
Haus der Zukunft
Kein normales Haus, sondern ein ökologisches Haus mit viel Holz, mit viel Grün, mit Photovoltaik auf dem Dach und einer Wärmepumpe, die mit Grundwasser gespeist wird, als Wärmequelle (Passivhaus plus) und vielen Gemeinschaftseinrichtungen: großer Gemeinschaftsraum, Gemeinschaftsgarten, drei Gemeinschaftsappartements (für Besucher etc.), Werkstatt, Sauna. Also kurzum, exakt ein Haus, wie es heute generell gebaut werden sollte. Ach ja, und schön ist es auch geworden, wie man hier sieht. (Architekt: Architekturwerkstatt Vallentin)

Solch ein Haus mit einem Etat von über 21 Millionen Euro als Gemeinschaft auf die Beine zu stellen, kostet Zeit und Kraft. 75 Treffen hatten wir in der Baugemeinschaft, bis das Haus fertig war. Lange Sitzungen an Samstagen, etwas knappere an den Donnerstagen. In dieser Zeit lernten wir nicht nur unsere Co-Bauherren – und künftigen „Nachbarn“ bestens kennen, wir wurden in den Diskussionen, den Kompromissen, den (Mitbau-)Aktionen und den vielen tollen Ideen und Initiativen aller eine echte Gemeinschaft.
Eine Gemeinschaft, die uns seelisch heil über die Pandemie gebracht hat, in der das Haus weiter gebaut wurde. Eine Gemeinschaft, die jetzt auch drei Jahre später immer noch funktioniert. Eine Gemeinschaft, die sich in vielen gemeinsamen Events und Aktionen immer wieder findet: gemeinsames Kochen, Grill- und Fernsehabende, Frühstück-Brunch, Spiele-Abende, gemeinsames Singen, Yoga, Sauna und natürlich alle Feste: Weihnachten, Silvester, Ostern oder auch St. Nikolaus. (In der Gemeinschaft leben derzeit 28 Kinder von 0 bis 12 Jahre.)
Leben in Gemeinschaft
Gemeinschaft heißt, dass hier so gut wie jeder aktiv ist. Jedem wird geholfen, seien es Lapidarien wie Mehl, Zucker, Eier oder Reparaturen oder Know how-Transfer oder auch Hilfe bei Krankheit oder Depression. Jeder freut sich, wenn man sich trifft. Wie in einem Dorf geht es selten ohne einen kurzen Wortwechsel auseinander. Und viele haben ihr eigenes Aufgabengebiet: der Garten, die Events, die PV-Anlage, die Sauna, die Heizungsabrechnung, die Buchungen der Gemeinschaftseinrichtungen, die elektronische Schließanlage. Es gibt eine Menge AGs (Arbeitsgemeinschaften).
Um es zusammenzufassen: Die letzten Jahre waren mir die neuen Erfahrungen wichtiger als dieser Blog. Leben ist wichtiger als meinen. Dann aber kam der Gedanke, dass diese positiven Erfahrungen einer Gemeinschaft weiterzugeben wichtig ist. Meine Frau Heidi Rauch hat zusammen mit ihrem Co-Autoren Wolfgang Eckart ein Buch dazu geschrieben: „Mut zum Miteinander! – Gemeinsam bauen, wohnen und leben“ (Edition Rauchzeichen).
Ich habe dazu einen Artikel über die Zukunft des Wohnens geschrieben und dort die Vorteile gemeinsamen Bauens und Wohnens zusammengefasst:

Die 12 Vorteile gemeinschaftlichen Wohnens
Vielfalt
Wohnen in einer Gemeinschaft, inklusive des Bauens in einer Gemeinschaft, schafft die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Wohnformen und Wohngrößen (inkl. Cluster-Wohnungen) zu bauen und für die verschiedensten Lebensentwürfe passend zu machen, gerade auch für Senioren, Behinderte etc.
Prozesshaftigkeit
Leben generell, aber vor allem Leben in einer Gemeinschaft, ist immer ein Prozess. Nie ist etwas fix, stets ist allem im Fluss. Das kann als anstrengend empfunden werden oder auch als Bereicherung. (Meist beides.) Nichts ist fix, alles kann man ändern und an veränderte Bedürfnisse anpassen. (Die Pandemie war da ein spezielles Beispiel.)
Kreativität
Man mag gar nicht glauben, wie viel Wissen in einer Gemeinschaft vorhanden ist, vor allem aber wie viele Ideen in einer Gemeinschaft entstehen können. Es gibt kein Problem, bei dem nicht einer einem zur Seite steht, hilft oder Lösungen parat hat. Und man ist immer wieder überrascht, wie viel Neues und Überraschendes das Leben in der Gemeinschaft für einen persönlich bereithält.
Gemeinwohlorientierung
In einer Gemeinschaft kann man sich gegenseitig viel Gutes tun, aber auch der Gesellschaft oder Einzelpersonen, ob Kindern oder Senioren, ob Kranken oder Einsamen. Eine Gemeinschaft lehrt zu helfen und zu unterstützen – und wird dabei stets auch von anderen unterstützt.
Komplexität
Eine Gemeinschaft ist immer ein sehr heterogenes Gebilde. Es gibt eine Unsumme von verschiedenen Interessen, Meinungen und Haltungen. Und eine Gemeinschaft ist stets im Wandel. Das führt zu einer großen Komplexität. Aber durch das Vertrauen zueinander werden komplexe Sachverhalte lösbar. In der Gemeinschaft. Und man lernt Komplexität im großen Maßstab der Gesellschaft und der Welt besser auszuhalten.
Zugänglichkeit
Durch gemeinschaftliche Begegnungsmöglichkeiten fällt die Zugänglichkeit zueinander viel leichter. Partizipative Prozesse und empathische Teilhabe sind in der Gemeinschaft Alltag.
Soziale Mischung
Gemeinschaftlich Wohnen schafft immer einen sozialen Mix. Die Begegnung mit verschiedenen Menschen aus verschiedenen kulturellen Kontexten verhindert ein Abtauchen in seine eigene Soziale Blase. Je mehr Begegnungsmöglichkeiten – auch nach außen – z.B. durch Veranstaltungen, Kultur etc. geschaffen werden, umso besser.
Ökologie
Bei Gemeinschafts-Wohnprojekten, egal ob genossenschaftlich oder privat, sind nicht nur die Gestehungskosten von Bedeutung, sondern auch die dauerhaften Betriebskosten, den Nebenkosten wie Heizung, Strom und Wasser. Um diese niedrig zu halten, und auch um staatliche oder kommunale Förderung zu erhalten, sind sie fast immer sehr ökologisch gebaut: gut gedämmt, mit Wärmepumpen und möglichst mit eigenem Strom von der PV-Anlage auf dem Dach.
Kooperationen
Genossenschaftliche Projekte oder von Mietshäuser-Syndikaten unterstützte Projekte etc. werden fast immer in Kooperation mit diversen Institutionen (Staat, Kommune, Verein, karitative Organisationen etc.) konzipiert und realisiert. Meist bleiben diese Kontakte und Kooperationen auch nach Fertigstellung bestehen.
Langfristige Planung
Gemeinschaftsbauten haben meist eine vergleichsweise lange Planungsphase. Die Mitsprache der Mitglieder frisst Zeit, aber auch die Finanzierung samt nötiger Bescheide und Förderungen. Das hat den Vorteil, dass sehr sorgfältig und nachhaltig geplant werden kann und unliebsame Überraschungen zwar nicht ausgeschlossen, aber minimiert werden können.
Lernen
Gemeinsames Bauen ist ein einziger großer Lernprozess von Strukturen Technologien, Ideen und Konzepten. Später lehrt das gemeinsame Leben noch mehr. Das Kennen- und Verstehen-Lernen verschiedenster Lebensstile, Denkmuster und Verhaltensweisen, die Auseinandersetzung mit Kindern und Senioren und deren Interessen, die Inklusion und Integration vielleicht auch schwieriger Charaktere – all das sind hilfreiche Lernprozesse.












Meine deutlichste Erinnerung an Onkel August aber war der Geruch, den er mit seinem Besuch ins Haus brachte – und der dann für Tage noch leise die Räume durchzog. Alkohol, Zigarre, alte Wolle und alter Mann. Nicht direkt unangenehm, aber irritierend und fremd. Keinen Geruch, den ich vermisse. Aber die Erinnerung macht klar, wie viel sich seitdem geändert hat. Zum Besseren, auf alle Fälle, für unsere Geruchssensoren. – Warum auch immer solch Erinnerungen wach werden, wenn man leise amüsiert und mäßig interessiert vor alten Straßenbahnen im 




